Mehr Inhalt statt universelles Blabla

Verfolgen Sie gespannt das Gesagte? Die meisten von uns wohl nicht und das liegt nicht etwa an der eigenen Unlust oder dem Unwillen. Nein! Es liegt an der Art der Rede, denn die ist, in einem Land von semi-geschulten Hobby-Rhetorikern, meist ähnlich und benutzt ganz nach dem kinderleichten Lego-Prinzip immer die gleichen Wortbausteine.

1. Baustein: Schilderung der globalen Gesamtsituation

"Wir stehen vor einer Revolution. Die Globalisierung ist omnipräsent. Der Kunde steht im Mittelpunkt, Mitarbeiter sind das größte Gut."

2. Baustein: Erläuterung der Quasi-Strategie

"Wir müssen wachsen. Wir wollen die Nummer eins werden. Der Markt ist da, die Kunden auch. Unsere Potential ist gigantisch, wir müssen nur nachhaltig ernten."

3. Baustein: Unpersönliche Danksagung an die Zuhörer und latente Schuldzuweisung

"Trotz anfänglicher Schwierigkeiten haben wir das letzte Jahr gemeistert. Wir haben heroisch gekämpft und hoffen auf weitere Erfolge. Dafür danke ich allen Managern und natürlich auch den etlichen unermüdlichen Mitarbeitern, die wir ja auch haben, auch wenn das Ziel knapp verfehlt wurde."

4. Baustein: Neue Aufgaben, Druckaufbau 

Wir erwarten dieses Jahr viel von Ihnen.  Der holprige Anfang liegt hinter uns und gemeinsam mit neuen Mitarbeitern schaffen wir dieses Jahr unsere Aufgaben. Los, los! Wir wollen nicht immer das verschlampte erste Quartal aufholen müssen. Das ist inakzeptabel, weil es nervt. Wenn die Ergebnisse nicht schnell besser werden, werden wir Ihnen in Meetings und Einzelgesprächen so lange helfen, bis sich die gewünschte Leistungserbringung einstellt... oder wir Sie ersetzen."

5. Baustein: Der Abschluss mit versuchtem Motivationsaufbau durch Floskeln

"Hochleistung ist für jeden Einzelnen möglich, wenn er nur will. Erfolg ist kein Geheimnis, sondern eine Charakterhaltung. Wir müssen unsere Hausaufgaben machen. Motiviert Euch und alles wird gut."

Und Ende?!

Viele Reden, vielleicht auch selbst geführte, folgen einer solchen Liturgie. Das Problem daran ist, sie sind stereotyp und somit nicht authentisch. Sie wirken nach einem abstrakten Prinzip konstruiert und sind nicht auf die Bedürfnisse und Wünsche der Zuhörer ausgerichtet.

Möchten Sie überzeugen? Dann brennen Sie in erster Linie für Ihr Ziel!

Um diese Begeisterung auch teilen zu können, müssen Sie sich in Folge auch auf Ihren Gegenüber einstellen können. Individuell, ohne Floskeln, ehrlich und aufrichtig.

Und eines muss jedem klar sein: Menschen kann man nicht mit einer einzigen Rede überzeugen, sondern mit wiederkehrendem, überzeugtem Handeln und dem aufrichtigen Interesse am Team.