Big Boss? Warum sich Führungskräfte gerne selbstüberschätzen

Führungskompetenz hat etwas mit Selbstreflexion zu tun. Gute Vorgesetzte hinterfragen ihr eigenes Handeln und sehen sich kritischer, als sie von ihrer Umgebung betrachtet werden. Doch das ist nicht die Regel: Die Selbstüberschätzung von Führungskräften ist ein weit verbreitetes Phänomen.

Woher kommt diese Selbstüberschätzung von Führungskräften?
Wer ein Team führt, muss ein starkes Selbstbewusstsein mitbringen. Leitende Mitarbeiter werden auf ihre Posten nur bei entsprechenden Führungsqualitäten berufen, zu denen im Kern der Glaube an die eigenen Fähigkeiten gehört. Diese innere Überzeugung, es prinzipiell besser zu wissen als die untergebene Mannschaft, kann natürlich schnell in eine Überschätzung der eigenen Fähigkeiten umschlagen. Es ist grundsätzlich schwer, ohne allzu große Selbstzweifel seine Aufgaben wahrzunehmen und dennoch einen gesunden selbstkritischen Blick zu bewahren.

Hinzu kommt: Der stressige und schnelle Arbeitsalltag lässt nicht allzu viel Zeit für Selbstreflexion. Die Führung von KMU findet heute unter den Bedingungen der Digitalisierung und Globalisierung statt. Es sind täglich und stündlich anspruchsvolle Fachfragen zu klären. Die Aufgabenstellungen werden immer komplexer, was von den Führungskräften ein Agieren in verschiedenen Dimensionen verlangt. Gleichzeitig sollen sie unter wechselnden Rahmenbedingungen ständig neue Impulse setzen und Strategien erarbeiten. Wenn das aber gelingt, schleicht sich schnell das Gefühl der eigenen überhöhten Kompetenz ein: Die Führungskraft überschätzt sich.

Wie ist Selbstüberschätzung psychologisch begründet?
Hierfür gibt es zwei Ansätze:

  • #1: Menschen überschätzen sich, wenn sie Dinge und Prozesse von außen betrachten. Der Klassiker ist der Fußballfan, der den Bundestrainer kritisiert: Er selbst hätte es besser gekonnt. Das ist bei Führungskräften aber nur der kleinere Teil, denn sie sind ja in die Prozesse involviert. Allerdings können sie dazu neigen, die Entscheidungen der Geschäftsleitung zu missbilligen, weil sie es vermeintlich besser wüssten. Die Psychologie nennt diesen Effekt eine „kognitive Verzerrung“. Diese bedeutet, die Dinge irreal wahrzunehmen und eher einem Wunschdenken als den Realitäten zu folgen.
  • #2: Der zweite Ansatz trifft eher auf gestresste Führungskräfte zu: Ihr überhöhtes Selbstbild ist für sie eine Rückversicherung gegenüber den eigenen Entscheidungen. Sie bewegen sich grundsätzlich in einem unsicheren Umfeld, in welchem die Grenzen zwischen „richtig“ und „falsch“ permanent verschwimmen. Indem sie ihr Selbstwertgefühl überhöhen, sich also selbst überschätzen, befreien sie sich von der latenten Entscheidungsunsicherheit, mit der sie tagtäglich leben müssen.

Was sind die Folgen von selbstüberschätzen Führungskräften?
Es stellt sich nun die Frage, was das überhöhte Selbstbild einer Führungskraft bei den Mitarbeitern bewirkt. Unzweifelhaft reduziert es die Mitarbeiterzufriedenheit und die Teamperformance. Im schlechtesten Fall zweifeln die Mitarbeiter die Führungsqualitäten ihres Vorgesetzen an, wenn er sich permanent mit seinen Erfolgen brüstet und keinen Widerspruch duldet. Im harmloseren Fall glauben sie, dass sie besser führen könnten. Dieser Fall ist allgegenwärtig, wenn man die Studie „Global State of Managers“ des Workforce Institutes betrachtet. Im Rahmen dieser Studie wurden rund 3.000 Angestellte aus acht Ländern (auch Deutschland) gebeten, ihre Vorgesetzen zu beurteilen. Das Ergebnis war durchaus überraschend:

  • 71 Prozent aller Befragten geben ihrer Führungskraft eine Note eins oder zwei.
  • 69 Prozent von ihnen glauben jedoch, sie könnten besser führen.
  • Von den Millennials glauben 73 Prozent, von Generation Z 70 Prozent, dass sie es besser könnten.
  • Die älteren Angestellten vergeben eher schlechte Noten für die Führung, trauen sich diese aber auch nicht so ohne Weiteres zu.

Welchen Einfluss hat die Selbstüberschätzung auf die Team- und Unternehmensperformance?
Wenn Mitarbeiter aufgrund eines allzu aufgesetzten Auftretens ihres Vorgesetzen dessen Fähigkeit zur Selbstreflexion und damit auch seine Führungskompetenz ernsthaft anzweifeln, wird dadurch mittel- und langfristig die Mitarbeiterzufriedenheit signifikant sinken. Im schlimmsten Fall ist die Führungskraft das Gesprächsthema Nummer eins hinter vorgehaltener Hand. Das schmälert zunächst die Teamperformance und langfristig auch die Unternehmensperformance.

Das ist aber nicht der einzige Effekt. Denn es gibt noch einen anderen, sehr gefährlichen Aspekt von überhöhter Selbsteinschätzung: Die Führungskraft dürfte auch in rein wirtschaftlicher und technischer Hinsicht falsche Entscheidungen treffen, weil sie sich eigene Irrtümer gar nicht vorstellen kann. Damit ist echter wirtschaftlicher Schaden für das Unternehmen vorprogrammiert.

Wie können Führungskräfte sich selbst besser einschätzen?
Führungskräfte sollten sich am besten täglich einige Minuten Zeit nehmen, um ihre eigenen Entscheidungen kritisch zu beurteilen. Sie können ihre Überlegungen in ein Tagebuch eintragen. Des Weiteren sollten sie die eigene Leistung anhand einiger handfester Zahlen einschätzen. Dazu gehören die Gewinnentwicklung im eigenen Bereich, die (messbare) Teamperformance und die deutlich kommunizierte Anerkennung durch die Geschäftsleitung. Zahlen und die Firmenleitung beschönigen nichts, das weiß auch der selbstgefälligste Manager.

Er kann auch weiche Faktoren heranziehen, indem er beispielsweise die Mitarbeiter nach deren Zufriedenheit befragt. Das empfehlen auch die Autoren der genannten Studie. Wer als Vorgesetzter genau wissen möchte, wie die Kollegen die eigenen Führungsqualitäten bewerten, befragt am besten seine Mannschaft mit einem standardisierten Fragebogen anonym. In diesem Fragebogen könnten beispielsweise Noten für die Führungskompetenz, das Fachwissen, die Kommunikationsfähigkeiten und die angemessene Verteilung von Aufgaben vergeben werden.

Gemeinsam stark: Im Team der Selbstüberschätzung des Vorgesetzten entgegenwirken
Auch hier gab die oben genannte Studie eine klare Handlungsempfehlung: Die Autoren empfehlen den Firmenleitungen, ihren Führungskräften Trainings und Weiterbildungen zu ermöglichen, um die entsprechenden Soft Skills zu erwerben. Zu diesen gehört auch die Fähigkeit, sich selbst gut einschätzen zu können.

Unsere persönliche Erfahrung hat gezeigt, dass vor allem zielführende Kommunikation zwischen Führungskraft und Team ein entscheidender Faktor für gute Performance ist.

Daraus ist unser Lösungspaket Team Performance Booster entstanden.

In diesem zweitägigen Workshop lernt das Team seine persönlichen Drives und die der Kollegen besser kennen und erlernt effektiver miteinander zu kommunizieren.

Dabei entsteht mehr Spaß an der Zusammenarbeit, denn: Die Teammitglieder entwickeln eine gemeinsame Sprache, reduzieren damit Reibungsverluste und finden auch auf menschlicher Ebene viel besser zusammen. Die Führungskraft lernt seine Mitarbeiter zudem bei dem Workshop von einer anderen als nur der beruflichen Seite kennen. Die üblichen Hierarchien, auf denen der Arbeitsprozess gewöhnlich basiert, werden aufgehoben.

Bei all unseren Lösungspaketen ist es uns wichtig, dass sich das gesamte Team auf Augenhöhe begegnet. Ein übersteigertes Selbstbild des Vorgesetzen ist anschließend kein Thema mehr.

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In diesem Text wird ausschließlich die männliche Form verwendet. Damit sind alle anderen Formen gleichermaßen mitgemeint.